Auf welchem Wirkprinzip beruht die Schüßler-Lehre?

Schüßler Salze Wirkprinzip

Das Wirkprinzip der Schüßler-Salze, auch Biochemie nach Dr. Schüßler genannt, beruht auf der Annahme, dass bei verschiedenen Krankheitszuständen spezifische Mineralsalze im Körper mangelhaft sind oder ihre normale Funktion nicht mehr erfüllen können. Die Therapie zielt darauf ab, diese Defizite gezielt auszugleichen und so die körpereigenen Regulations- und Heilungsprozesse zu unterstützen.

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Grundlagen der Biochemie nach Dr. Schüßler

Die Lehre von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler, einem Arzt aus dem 19. Jahrhundert, postuliert, dass die Grundlage aller Krankheiten ein Mangel an bestimmten anorganischen Salzen in den Körperzellen sei. Schüßler identifizierte zwölf sogenannte „Hauptfunktionsmittel“, die er für essentiell für die gesunde Zellfunktion hielt. Diese zwölf Mineralsalze sind die Basis der ursprünglichen Schüßler-Salze Therapie.

Die zwölf Funktionsmittel

Schüßler leitete aus seiner klinischen Erfahrung und der Analyse von Krankheitsbildern ab, dass ein gestörter Haushalt bestimmter anorganischer Salze im Organismus zu spezifischen Symptomen und Krankheiten führen kann. Diese zwölf Salze werden in potenzierten, also stark verdünnten und verarbeiteten Formen verabreicht, um die Aufnahme und Verwertung durch die Zellen zu erleichtern.

  • Calcium fluoratum (Calcarea fluorica): Wichtig für die Elastizität von Geweben wie Haut, Sehnen, Bändern und Knochen.
  • Calcium phosphoricum (Calcarea phosphorica): Bedeutend für den Aufbau von Knochen, Zähnen und Blutkörperchen.
  • Ferrum phosphoricum (Ferrum phosphoricum): Ein wichtiges Mittel bei Entzündungen und zur Unterstützung des Immunsystems.
  • Kalium chloratum (Kalium muriaticum): Beteiligt an vielen Stoffwechselprozessen und wichtig für die Schleimhäute.
  • Kalium phosphoricum (Kalium phosphoricum): Wesentlich für Nerven, Gehirn und Muskelfunktion.
  • Kalium sulfuricum (Kalium sulfuricum): Spielt eine Rolle bei der Entgiftung und der Zellerneuerung.
  • Magnesium phosphoricum (Magnesia phosphorica): Ein wichtiges Mittel bei Krämpfen, Nervosität und Schmerzen.
  • Natrium chloratum (Natrium muriaticum): Reguliert den Wasserhaushalt im Körper und ist wichtig für die Schleimhäute.
  • Natrium phosphoricum (Natrium phosphoricum): Hilft bei der Regulierung des Säure-Basen-Haushalts und bei Verdauungsbeschwerden.
  • Natrium sulfuricum (Natrium sulfuricum): Fördert die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten und wirkt auf die Leber und Nieren.
  • Silicea (Kieselsäure): Unterstützt Bindegewebe, Haut, Haare und Nägel sowie die Knochenheilung.
  • Calcium sulfuricum (Calcium sulfuricum): Beteiligt an Entgiftungsprozessen und der Regeneration von Geweben.

Das homöopathische Potenzierungsprinzip

Ein zentraler Aspekt des Wirkprinzips der Schüßler-Salze ist die Verwendung homöopathischer Potenzen. Schüßler verwendete für seine Mittel zunächst Potenzen bis zur D6. Die Idee dahinter ist, dass durch die fortschreitende Verdünnung und Verschüttelung (bei flüssigen Präparaten) oder Verreibung (bei festen Präparaten) die feinstofflichen Informationen des Ausgangsstoffes für den Organismus zugänglich gemacht werden. Diese potenzierten Mittel sollen nicht mehr auf rein materieller Ebene wirken, sondern über feinstoffliche Schwingungen, die mit den gestörten Zellprozessen im Körper in Resonanz treten und diese harmonisieren sollen. Die D6-Potenz gilt als Standardpotenz für die meisten Schüßler-Salze.

Schüßler Salze Wirkprinzip

Die D-Potenz und ihre Bedeutung

Bei der D-Potenz wird die Ausgangssubstanz in einem Verhältnis von 1:10 verdünnt. Die D6-Potenz bedeutet also eine Verdünnung von 1:1.000.000. Dies mag auf den ersten Blick sehr wenig erscheinen, doch in der Homöopathie und der Biochemie nach Dr. Schüßler geht man davon aus, dass gerade durch diese starke Verdünnung die spezifische Heilkraft freigesetzt und für den Körper nutzbar gemacht wird. Es ist ein Unterschied zur materiellen Wirkung von Medikamenten; hier spricht man von einer energetischen oder informatorischen Wirkung.

Die moderne Interpretation und Ergänzungen

Obwohl die ursprüngliche Lehre von Dr. Schüßler zwölf Mineralsalze umfasste, wurden im Laufe der Zeit weitere Mittel hinzugefügt, die sogenannten „Ergänzungsmittel“. Diese sind ebenfalls Mineralsalze, die in potenzierten Formen angeboten werden und auf spezifische Beschwerdebilder abzielen, die nicht durch die zwölf Hauptmittel abgedeckt werden. Diese Erweiterungen basieren auf Beobachtungen und Erfahrungen von Anwendern und Therapeuten über Jahrzehnte hinweg.

Die Ergänzungsmittel

Zu den bekannten Ergänzungsmitteln zählen beispielsweise:

  • Kalium arsenicosum: Oft eingesetzt bei Hautproblemen und Erschöpfungszuständen.
  • Kalium bromatum: Wird traditionell bei nervösen Störungen und Schlafproblemen verwendet.
  • Lithium chloratum: Gilt als Mittel bei Rheuma und Gicht.
  • Manganum sulfuricum: Interessant bei Anämie und zur Unterstützung des Immunsystems.
  • Zinkum chloratum: Wird oft im Zusammenhang mit dem Immunsystem und bei Hautproblemen genannt.
  • Arsenum iodatum: Ein Mittel, das bei bestimmten Atemwegserkrankungen und chronischen Erkrankungen eingesetzt werden kann.
  • Sulfur: Obwohl kein reines Mineralsalz, wird es als wichtiges Mittel für Stoffwechsel und Entgiftung in die Biochemie integriert.

Diese Ergänzungsmittel erweitern das Anwendungsspektrum der Biochemie nach Dr. Schüßler und ermöglichen eine individuellere Therapie.

Der Zellkern als Wirkort

Nach der Lehre von Dr. Schüßler befinden sich die zwölf essenziellen Mineralsalze in konzentrierter Form in den Körperzellen und sind dort für zahlreiche lebenswichtige Funktionen verantwortlich. Sie sind Bestandteil von Enzymen, Proteinen und anderen Zellstrukturen und beeinflussen maßgeblich den Stoffwechsel, die Reizleitung, die Enzymaktivität und die Struktur der Gewebe. Ein Mangel an diesen Salzen auf zellulärer Ebene soll zu Funktionsstörungen und damit zu Krankheiten führen.

Funktionen der Mineralsalze in den Zellen

Jedes Mineralsalz hat spezifische Aufgaben innerhalb der Zelle:

  • Strukturbildung: So ist beispielsweise Calcium phosphoricum für den Aufbau von Knochen und Zähnen unerlässlich, während Silicea das Bindegewebe stärkt.
  • Stoffwechselregulation: Salze wie Natrium phosphoricum spielen eine wichtige Rolle im Säure-Basen-Gleichgewicht und bei der Verdauung von Fetten.
  • Energieproduktion: Magnesium phosphoricum ist beispielsweise an zahlreichen enzymatischen Reaktionen beteiligt, die für die Energiegewinnung in den Zellen notwendig sind.
  • Informationsübertragung: Kalium phosphoricum ist entscheidend für die Funktion von Nerven und Gehirn, indem es die Übertragung von Nervenimpulsen unterstützt.
  • Abwehr und Regeneration: Ferrum phosphoricum ist ein wichtiges Mittel bei Entzündungen und unterstützt die Sauerstoffversorgung der Zellen.

Die Biochemie nach Dr. Schüßler geht davon aus, dass die homöopathisch aufbereiteten Salze durch ihre feinere Struktur leichter von den Zellen aufgenommen werden können und dort den gestörten Stoffwechsel wieder ins Gleichgewicht bringen.

Individuelle Symptomatik und Auswahl der Mittel

Die Auswahl der passenden Schüßler-Salze erfolgt nicht nach einer bestimmten Diagnose im schulmedizinischen Sinne, sondern primär nach dem Erscheinungsbild der Symptome. Dr. Schüßler und seine Nachfolger haben detaillierte Symptombeschreibungen für jedes der zwölf Funktionsmittel entwickelt. Bei der Anwendung geht man davon aus, dass das Mittel, dessen Symptombild am besten mit dem des Patienten übereinstimmt, auch das richtige ist. Dies erfordert eine genaue Beobachtung und Beschreibung der individuellen Beschwerden.

Das Repertorisierungsprinzip in der Biochemie

Ähnlich wie in der klassischen Homöopathie wird auch in der Biochemie nach Schüßler oft nach dem Prinzip der Symptomenähnlichkeit (Similia similibus curentur – Ähnliches mit Ähnlichem heilen) vorgegangen. Therapeuten und Anwender nutzen Symptomenverzeichnisse (Repertorien), um das individuell passende Mittel zu finden. Dabei werden nicht nur körperliche, sondern auch psychische und emotionale Symptome berücksichtigt.

Funktionsmittel Hauptwirkungsbereiche nach Schüßler Typische Anwendungsgebiete Energetische Zuordnung
Calcium fluoratum Bindegewebe, Knochen, Zähne, Hautelastizität Schlaffe Bänder, Hämorrhoiden, Risse, brüchige Nägel Stabilität, Elastizität
Calcium phosphoricum Knochenbildung, Blutbildung, Nervensystem Wachstumsbeschwerden, Knochenbrüche, Verdauungsprobleme bei Kindern Aufbau, Wachstum
Ferrum phosphoricum Immunsystem, Entzündungen, Blutbildung Fieber, Entzündungen (Anfangsstadium), Blässe, Wundheilung Abwehr, Energie
Kalium chloratum Schleimhäute, Stoffwechsel, Verdauung Schleimhautentzündungen, Verdauungsstörungen, Erkältungen Reinigung, Regulierung
Kalium phosphoricum Nerven, Gehirn, Muskulatur Erschöpfung, Nervosität, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen Nervenruhe, Vitalität
Kalium sulfuricum Zellstoffwechsel, Entgiftung, Haut Chronische Entzündungen, Hautausschläge, Verdauungsprobleme Erneuerung, Ausscheidung
Magnesium phosphoricum Nerven, Muskeln, Krämpfe Krämpfe, Koliken, Neuralgien, Kopfschmerzen Entspannung, Schmerzlinderung
Natrium chloratum Wasserhaushalt, Schleimhäute, Nerven Trauer, trockene Schleimhäute, Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen Ausgleich, Feuchtigkeit
Natrium phosphoricum Säure-Basen-Haushalt, Stoffwechsel, Verdauung Übersäuerung, Sodbrennen, Verdauungsstörungen, Gicht Entsäuerung, Harmonisierung
Natrium sulfuricum Ausscheidungsorgane, Leber, Galle, Nieren Morgenübelkeit, Verdauungsbeschwerden, rheumatische Beschwerden Entgiftung, Ausscheidung
Silicea Bindegewebe, Haut, Haare, Nägel, Knochen Brüchige Nägel, Haarausfall, schlecht heilende Wunden, Knochenprobleme Festigkeit, Heilung
Calcium sulfuricum Entgiftung, Eiterbildung, Verdauung Eiternde Wunden, chronische Hauterkrankungen, Verdauungsbeschwerden Reinigung, Regeneration

Die moderne Wissenschaft und die Schüßler-Salze

Aus Sicht der Schulmedizin und der aktuellen wissenschaftlichen Forschung gibt es keine etablierten Beweise für die Wirksamkeit von Schüßler-Salzen über den Placebo-Effekt hinaus. Die Annahmen über die Wirkweise auf zellulärer Ebene und die spezifischen Mangelzustände werden von der modernen Biochemie und Pharmakologie so nicht gestützt. Die starken Verdünnungen, wie sie in der Homöopathie und der Biochemie nach Schüßler üblich sind, beinhalten nach heutigem wissenschaftlichen Verständnis keine Moleküle des ursprünglichen Wirkstoffes mehr. Dennoch berichten viele Anwender und Therapeuten von positiven Erfahrungen und einer Linderung ihrer Beschwerden.

Erklärungsansätze und Forschungsperspektiven

Trotz der fehlenden schulmedizinischen Anerkennung wird die Biochemie nach Dr. Schüßler von vielen Menschen als eine sanfte und unterstützende Methode im Rahmen der Naturheilkunde geschätzt. Mögliche Erklärungsansätze für die wahrgenommenen Effekte reichen von einem starken Placebo-Effekt, über eine Aktivierung körpereigener Selbstheilungskräfte bis hin zu noch unbekannten Wirkmechanismen auf feinstofflicher Ebene. Die Forschung in diesem Bereich ist jedoch begrenzt und die Ergebnisse sind umstritten.

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FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Auf welchem Wirkprinzip beruht die Schüßler-Lehre?

Was ist die Grundidee hinter den Schüßler-Salzen?

Die Grundidee der Schüßler-Lehre ist, dass ein Mangel an bestimmten anorganischen Mineralsalzen in den Körperzellen zu Krankheiten führt. Durch die Gabe dieser Salze in homöopathischer Potenzierung sollen diese Defizite ausgeglichen und die natürlichen Regulationsmechanismen des Körpers gestärkt werden.

Wie wirken die Schüßler-Salze auf den Körper?

Nach der Theorie von Dr. Schüßler wirken die potenzierten Mineralsalze über eine feinstoffliche Information auf die Zellen. Sie sollen dazu anregen, die fehlenden oder gestörten Mineralsalze wieder aufzunehmen und den Stoffwechsel zu harmonisieren. Die Wirkung wird als energetisch und informatorisch verstanden, nicht als materiell.

Welche Rolle spielen die Potenzen bei den Schüßler-Salzen?

Die Potenzen, meist D6, sind entscheidend. Durch die starke Verdünnung und Verreibung oder Verschüttelung soll die eigentliche Heilkraft des Mineralsalzes freigesetzt und für den Körper leichter verfügbar gemacht werden, ohne die Menge der Substanz.

Wie werden die richtigen Schüßler-Salze ausgewählt?

Die Auswahl der Schüßler-Salze erfolgt hauptsächlich anhand der spezifischen Symptome des Patienten. Es wird das Mittel gewählt, dessen bekanntes Symptomenbild am besten mit den individuellen Beschwerden übereinstimmt.

Gibt es wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit von Schüßler-Salzen?

Nach aktuellem Stand der schulmedizinischen Forschung gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise für die spezifische Wirksamkeit von Schüßler-Salzen über den Placebo-Effekt hinaus. Die Wirkmechanismen, wie sie in der Lehre beschrieben werden, sind wissenschaftlich nicht belegt.

Warum werden trotzdem viele positive Erfahrungen berichtet?

Viele Anwender berichten von positiven Erfahrungen. Dies kann auf den Placebo-Effekt, die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers, die gesteigerte Aufmerksamkeit für den eigenen Körper durch die Einnahme oder auf noch unerforschte Wirkungsweisen zurückgeführt werden.

Gibt es neben den zwölf Hauptmitteln noch weitere Schüßler-Salze?

Ja, neben den ursprünglichen zwölf Funktionsmitteln gibt es eine Reihe von Ergänzungsmitteln, die das Anwendungsspektrum der Biochemie nach Dr. Schüßler erweitern und auf spezifischere Beschwerdebilder abzielen.

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